Gottes Ruf auf der Finca folgen – und plötzlich waren wir für andere da

(Fortsetzung zum Beitrag „Gottes Ruf auf die Finca folgen: Sein Timing war perfekt“)

Als wir im Sommer 2023 auf der Finca ankamen, war erstmal… nichts da. Unmöbliert. Leer.
Das Einzige, was blieb, war ein großer Tisch – und die Küche selbst.

Wir hatten vorher jahrelang zur Miete gewohnt und deshalb kaum eigene Möbel. Und doch erlebten wir gleich in den ersten Wochen: Gott versorgt nicht nur „irgendwie“ – er versorgt zur richtigen Zeit, über die richtigen Wege.

Plötzlich kamen Möbel aus allen Richtungen:
Durch eine Wohnungsauflösung bekamen wir vieles auf einmal, Freunde von Freunden steuerten weitere Möbel bei. Andere Dinge standen – wie bestellt – neben Müllcontainern: gute Möbel und nützliche Dinge im richtigen Moment. Und so hatten wir schneller als gedacht eine Grundausstattung, mit der wir als Familie erstmal ankommen konnten.

Zwei kleine Gebetserhörungen auf vier Pfoten

Schon als wir damals hörten, dass wir „auf eine Finca in die Berge“ ziehen würden, hatten die Kinder einen Herzenswunsch: Katzen. Also haben wir dafür gebetet – nicht als Forderung, sondern als kleines Zeichen von Zuhause.

Und mit unserem Umzug, passierte genau das: Eine Katzenmutter tauchte auf dem Gelände auf – und ließ zwei Babys im Acker zurück. Dann war sie verschwunden und blieb es auch.

Also fingen wir an, die beiden anzufüttern. Jeden Tag. Erst aus der Entfernung. Dann jeden Tag ein kleines Stück näher. Einen Meter nach dem anderen – bis sie irgendwann nicht mehr wegliefen. Bis sie Nähe zuließen. Bis sie schließlich nicht mehr draußen im Acker schliefen, sondern bei uns – und irgendwann sogar in unseren Betten.

Für manche ist das „nur“ eine süße Geschichte. Für uns war es ein liebevolles Detail Gottes: Er sorgt nicht nur für das Praktische – er schenkt auch das, was ein Zuhause warm macht. Und er hat die Gebete unserer Kinder gehört.

Die Lebensader der Finca: Internet, das eigentlich unmöglich war

Uli und ich arbeiten beide online – wir sind also auf eine stabile Internetverbindung angewiesen. Am Anfang hatten wir hier oben nur einen SIM-Karten-Router. Es ging irgendwie, aber eigentlich war klar: Wenn wir hier langfristig funktionieren sollen, brauchen wir etwas Besseres.

Ich fragte Gott konkret danach – und ich hatte innerlich diese klare Zusage:
„Du bekommst Glasfaser-Internet.“

Ich kontaktierte den Anbieter. Doch als sie kamen, erklärten sie freundlich: Der nächste Verteilerknoten sei im Dorf, über einen Kilometer entfernt – bei uns geht das nicht. Und ich wusste: Die Nachbarschaft wartet hier oben seit Jahren darauf.

Ich war ehrlich verwirrt: Gott hat doch gesagt, ich bekomme Glasfaser. Was ist jetzt?

Dann erzählte mir ein Nachbar, dass jemand auf der anderen Seite des Berges kürzlich Glasfaser bekommen hatte. Also schrieben wir: „Hallo, wir sind neu hier. Wir haben gehört, Ihr habt Glasfaser – dürfen wir ein Kabel über Euer Grundstück legen?“ Und er sagte tatsächlich: Ja.

Ich kontaktierte den Anbieter erneut – und musste den Auftrag viermal anstoßen, bis wieder jemand kam. Beim nächsten Termin schaute ein anderer Techniker skeptisch in seine App und sagte wieder: „Nein.“ Ich meinte nur: „Komm mal mit, ich zeig dir was.“ Und ich führte ihn an den Zaun zum Nachbarhaus (fürs Auto ein 20 Minuten Umweg, zu Fuß deutlich näher – aber eben ein anderer Bereich).

Und dann ging es plötzlich doch: Wir durften unter seinem Dach entlang ein insgesamt 400 Meter langes Kabel bis auf unser Gelände führen und haben auch einen guten Platz für den Router gefunden, um das Internet auf der ganzen Finca zu verteilen.

Und so hatten wir auf einmal diese „Lebensader“ der Finca: stabiles Internet, damit wir arbeiten können und der Alltag hier oben überhaupt funktioniert. Ein anderer Nachbarn sagte später halb lachend, halb fassungslos: „Ich warte seit 20 Jahren – und jetzt kommst Du her und hast Glasfaser.“

Für uns war es wieder ein stilles Zeugnis: Gott hatte es zugesagt – und ER hat einen Weg geöffnet.

Mit einem Zuhause, das langsam Gestalt annahm – Möbel, Katzen, und sogar diese technische Lebensader – waren wir bereit für den nächsten Schritt. Denn Gott versorgt nicht nur, damit es „gemütlich“ wird. Er versorgt, damit wir fähig werden zu dienen.

Ein Haus bewohnbar – acht Häuser auf dem Gelände

Auf dem Gelände stehen insgesamt acht Gebäude. Aber am Anfang war nur ein Haus wirklich bewohnbar: zwei kleine Schlafzimmer, ein kleines Bad – das reichte für uns. Nur: Diese Finca ist groß. Zu groß, um sie alleine zu stemmen.

Aus Buenavista kannten wir das Prinzip Workaway (freiwillige Helfer) und Hilfe von außen. Und ich wusste: Wenn wir hier oben wirklich etwas aufbauen sollen, brauchen wir Menschen – und Platz für Menschen.

Mein erster Gedanke war ganz pragmatisch:
Da ist doch dieses kleine Häuschen überhalb der Küche – die alte Distille. Das kann man schnell umbauen. Da passt ein Helfer rein.

Aber Gott lenkte mich in eine ganz andere Richtung.

„Nein. Fokus auf dieses Haus.“

Gott zeigte auf ein Gebäude weiter unten – das, was später unser großes Apartment werden sollte (heute heißt es Immanuel).

Ich dachte: Das ist doch viel größer. Das dauert doch ewig.
Aber Gottes Antwort war klar:

„Fokus auf da unten. Beeil dich – ich schicke dir Leute.“

Und ich erinnere mich noch, wie ich innerlich (und auch ein bisschen frech) zurückgab:
„Okay… aber dann bezahlst du den Umbau.“

Und er hat bezahlt.

Etwa sechs Wochen nach unserem Start auf der Finca begannen wir mit den Arbeiten an diesem Gebäude. Früher war es ein Schuppen – mit einer Möhrenwaschanlage. Denn diese Finca war früher eine professionelle Gemüsezucht, und hier wurden wohl viele Karotten verarbeitet.

Und immer wieder kam derselbe Impuls:

„Fokus auf da unten. Beeil dich. Ich schicke dir Leute.“

Ich dachte: Super! Ich brauche Hilfe – schick sie bitte!

Und dann kam dieser überraschende Satz:

„Nein. Du sollst helfen.“

Ich musste erstmal schlucken. Moment… ich soll helfen? Ich brauche doch gerade Hilfe!

Aber ich merkte: Es ging um mehr als ein Bauprojekt. Es ging um einen Auftrag.

Eine Baustelle, die „flutscht“

Wir hatten Handwerker hier, Nachbarn halfen mit (Michael – ja, der Michael), und es kamen immer wieder verschiedene Leute, die etwas beitragen wollten.

Ein Satz vom Elektriker hat sich bei mir eingebrannt. Er sagte sinngemäß:

„Wow… hier flutscht ja alles. Hier funktioniert ja alles. Das habe ich vielleicht bei einem von tausend Kunden. Dieser Ort ist etwas ganz Besonderes.“

Wir bauten weiter – und ich spürte: Wir müssen wirklich fertig werden. Nicht irgendwann. Bald.

Eine Workaway-Anfrage, wie wir sie noch nie bekommen hatten

Im September kam eine Anfrage über Workaway. Schon der Titel war ungewöhnlich:

„Workaway mal andersrum… ich brauche Hilfe.“

So etwas hatten wir noch nie bekommen. Normalerweise schreiben Menschen: „Wir helfen euch“ – aber hier stand: „Ich brauche Hilfe.“

Und weil Gott mich „vorgewarnt“ hatte, fragte ich ihn:

„HERR, ist sie das?“

Und ich hatte innerlich diese klare Antwort:

„Ja. Hilf ihr. Du kannst ihr helfen.“

So kam Helena zu uns.

Helena: erschöpft, krank – und am Ende wie neu

Helena kam mit einer schweren gesundheitlichen Situation zu uns. Sie war nach einem Impfschaden stark erschöpft und reizüberflutet – ein Zustand, in dem selbst kurze Gespräche zu viel sein können. Sie lag anderthalb Jahre in einem abgedunkelten Zimmer und konnte nur wenige Minuten Kontakt aushalten, bevor sie wieder lange Ruhe brauchte.

Im Oktober kam sie – begleitet von ihrer Mutter. Die Reise dauerte mehrere Tage, weil sie sich zwischendurch immer wieder regenerieren musste. Als sie schließlich bei uns ankam, trug sie eine Augenbinde und Ohrenschutz. Die ersten Tage lag sie nur im Bett, um überhaupt von der Reise anzukommen.

Und wir haben gedient. Ganz praktisch:
Kochen. Pflegen. Da sein. Den Nachttopf wegbringen. Schauen, was sie braucht. Und immer wieder beten.

Wichtig: Was ich hier erzähle, ist unser persönliches Erlebnis – kein medizinischer Rat. In akuten Notfällen gehört man in professionelle Hilfe. Wir erzählen das als Zeugnis, nicht als Anleitung.

Und doch: Nach etwa zweieinhalb Monaten war die Veränderung enorm. Helena konnte plötzlich wieder Dinge, die vorher unmöglich waren:
Sie konnte sich selbst etwas zu essen machen. Sie konnte spazieren gehen. Gespräche wurden wieder länger möglich. Energie kam zurück.

Helena war unglaublich tapfer. Und wir waren Zeugen davon, wie Gott Schritt für Schritt wieder Leben in etwas hineingab, das vorher wie „Stillstand“ aussah.

Eine Entscheidung, die uns alle gefordert hat

In dieser Zeit kam es sogar zu einer Situation, in der Helena auch noch eine Blinddarm-Entzündung bekam und wir gemeinsam abwägen mussten, was für sie – in ihrer extremen Reizüberforderung – die größere Belastung wäre. Sie traf ihre Entscheidung selbst, und wir unterstützten sie nach bestem Wissen, mit allem, was wir hatten, und im Gebet. Später ließ sie ärztlich prüfen, ob alles gut verheilt war.

Wenn ich vorher gewusst hätte, was dieser Dienst für uns bedeutet, hätte ich vielleicht aus Angst abgelehnt. Aber Gott hatte gesagt: „Du kannst ihr helfen.“ Und er hat uns getragen.

Helena blieb bis Januar. Dann wurde es hier oben in den Bergen für ihre rheumatischen Beschwerden zu feucht und zu kalt, und wir gaben sie an Freunde weiter, die in wärmeren Teilen der Insel leben.

Und ich kann es nur so sagen: Das war der erste große Auftrag, den Gott uns hier auf der Finca gegeben hat.

Immanuel: „Gott ist mit uns“

Dieses Apartment haben wir später Immanuel genannt – „Gott ist mit uns“.
Nicht nur, weil es ein schöner Name ist, sondern weil wir erleben: Dieses Apartment gehört in besonderer Weise Gottes Werk.

Wir brauchten irgendwann Namen, weil noch weitere Bereiche ausgebaut wurden. Aber Immanuel… das ist irgendwie „sein Raum“. Denn oft sagt Gott uns vorher, wer kommt. Bei Helena war es so. Und wir hatten bis zur letzten Minute alles gegeben, um „Version 1“ fertigzustellen.

Version 1 war noch längst nicht perfekt:
Neuer Holzfußboden, Holzdecke, Wände größtenteils begradigt und weiß, Tür repariert, Strom – aber noch keine Küche, kein Bad, keine Terrasse, alte Fenster und Türen.

Und trotzdem war es wohnlich: Tisch und Stühle, ein schönes Bett. Genug für das, was Gott vorhatte.

Und danach? Hilfe – und weitere Aufträge

Nach Helena kam eine neue Phase:
Gott zeigte uns, dass in den kältesten und heißesten Monaten Workaway-Hilfe gut passt – und im Frühling und Herbst sollte Immanuel offen sein für Menschen, die Wärme suchen und Unterstützung brauchen.

Version 2 des Apartments: neue Fenster, neue Tür.
Und dann kam tatsächlich Workaway-Hilfe: Sarah und Marco. Sie waren von Februar bis April da – und sie waren eine grandiose Unterstützung. Es fühlte sich an wie eine liebevolle „Kompensation“ nach dem intensiven Dienst an Helena: kräftige Hilfe, gute Stimmung, ein echter Aufbau-Schub. In dieser Zeit entstand der erste Garten und auch die Terrasse des Appartments.

Vor ihrer Abreise fragte ich Gott: „Was als Nächstes?“
Die Antwort: Die Küche einbauen. Und dann unsere Freundin Nicki über Pfingsten beherbergen.

Und für danach kündigte Gott gleich schon einen weiteren Besuch an – für einen ganzen Monat: eine Person, die mir sehr nahesteht und meine Hilfe braucht.

In der letzten Maiwoche wurde klar: Es war mein Vater. Wir holten ihn direkt aus dem Krankenhaus zu uns, weil wir die einzigen waren, die ihm in dieser Situation helfen konnten.

Carina – angekündigt, bevor sie selbst es wusste

Ein weiteres Beispiel für Gottes „Vorankündigung“: Carina.
Über Monate hatte ich immer wieder den Impuls, den Kontakt zu ihr zu halten. Irgendwann wurde daraus: „Lade sie ein – sie wird im Juli kommen.“

Nach mehrfachem Drängen Gottes sie einzuladen kam sie tatsächlich – mit ihren Kindern. Und ich wusste es schon im April, bevor für sie überhaupt klar war, ob und wie es klappt.

Carina brauchte Hilfe – nicht nur praktisch, sondern innerlich: Nach einer Trennung begegnete ihr die Bibel immer wieder. Verschiedene Freunde schenkten ihr eine. Bibelverse tauchten in ihrem Alltag auf. Sie las – aber verstand nicht. Man sagte ihr: „Bete um Erklärung.“

Und im Gespräch hier vor Ort schloss sich der Kreis für uns, als wir beide unsere Geschichte teilten: Gott hatte mich gedrängt, mich zu melden – weil sie kommen sollte, damit ihre Fragen beantwortet werden.

Familie aus Kroatien, Spielplatz und Aula

Auch bereits im April kündigte ER für danach wieder Hilfe per Workaway an: Eine Familie aus Kroatien kam im August – und gemeinsam bauten wir den Spielplatz. Zur gleichen Zeit war auch mein Cousin Conny da, der mithelfen konnte. Und zusammen legten wir die neue Bodenplatte / den Estrich für die zukünftige Aula, den alten Weinkeller. Michael hat uns dann die Fliesen gelegt.

Und auch bereits im April hatte Gott angekündigt, dass im nächsten Winter wieder ein italienisches Pärchen kommen würde, nicht das, was zum Zeitpunkt noch bei uns war.

Und genau so kam es: Mitte November kamen Stefania und Luca aus Sizilien. Offen, herzlich, bereit, an Gottes Werk mitzuarbeiten. Ihnen gefiel es so gut, dass sie 10 Wochen blieben und wertvolle Unterstützung bei der Fertigstellung der Aula leisteten.

„ER ist unser Booking.com“

So erleben wir es immer wieder: Gott kündigt Menschen an. Und oft sind es genau die Menschen, die zur richtigen Zeit kommen – für Arbeit, für Heilung, für Gespräche, für Aufbau.

Ich sage dann manchmal scherzhaft:

„Gott ist unser Booking.com.“

Und wir sind jedes Mal gespannt: Wer kommt als Nächstes? Was hat Gott vor? Und wie dürfen wir dienen?

Denn wenn wir eines gelernt haben, dann das:

Gottes Ruf bedeutet nicht nur „an einen Ort gehen“.
Manchmal bedeutet er: für andere da sein – genau dann, wenn das menschliche Ego eigentlich nicht will.

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