Der eine Gott, Jesus Christus und der Heilige Geist

Eine biblische Orientierung für Christen, die fragen

Es gibt Fragen, die nicht aus Rebellion geboren werden, sondern aus Ehrfurcht.

In letzter Zeit kamen vermehrt Menschen mit ganz ähnlichen Fragestellungen auf uns zu. Es ging immer wieder um das Verhältnis von Vater, Sohn und Heiligem Geist, um das erste Gebot und um die ehrliche Sorge, Gott falsch zu ehren. Weil uns diese Thematik gehäuft begegnet ist, möchten wir unsere Gedanken hier schriftlich festhalten — als Impuls zum Reflektieren, Prüfen und Weiterstudieren.

Wie es scheint, bewegt dieses Thema heute viele Christen. Und das ist nicht belanglos. Denn hinter solchen Fragen steht oft kein Streitgeist, sondern ein aufrichtiges Verlangen, biblisch sauber zu verstehen, wer Gott ist und wie die Schrift von ihm spricht. Auch wir selbst mussten uns diese Fragen stellen und sie für uns biblisch beantworten.

Mit diesem Artikel wollen wir genau dort ansetzen. Wir wollen nicht mit Schlagworten arbeiten, sondern mit der Schrift. Wir wollen nicht zuerst eine dogmatische Schule verteidigen, sondern die biblischen Linien nebeneinanderlegen. Und wir wollen zeigen, dass die Frage nach Vater, Sohn und Heiligem Geist nicht nur eine technische Lehrfrage ist, sondern mit Anbetung, Erlösung, Wahrheit, Einheit und Endzeit-Ernst zu tun hat.

Unseren Ausführungen wollen wir voranstellen, dass wir demütig bekennen, mit unserem begrenzten menschlichen Vermögen ohnehin nie in Gänze das Wesen Gottes begreifen zu können. Wie Paulus in Epheser 3, 14-20 zeigt, übersteigen die Liebe Christi und die Fülle Gottes alles menschliche Erkennen. So sehr wir uns auch bemühen, im Licht der Schrift zu forschen und geistliche Zusammenhänge zu bedenken, bleibt unser Verständnis doch begrenzt. Wir hoffen darauf, in der Ewigkeit mit Gott noch mehr über sein Wesen entdecken und lernen zu dürfen. Mit diesem Thema stehen wir auf heiligem Boden und ziehen daher wie Mose am Dornbusch in aller Demut unsere Schuhe aus. Wir studieren unter Gebet wenn wir uns anschauen, was Gottes Wort selbst dazu sagt und laden Dich ein, das Gleiche zu tun 🙏

In 1. Johannes 4,1 heißt es: „Ihr Lieben, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten in die Welt ausgegangen.“

Halten wir es wie die Menschen aus Beröa in Apostelgeschichte 17,11: „… sie nahmen das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich’s so verhielte.“

Also, nimm Deine Bibel zur Hand und schlage jede der folgenden Stellen direkt mit nach. Alle Bibelstellen sind der Schlachter 2000 entnommen. Aus Gründen der Lesbarkeit werden viele Verse sinngemäß zusammengefasst.

Der Ausgangspunkt ist das erste Gebot

Jede ehrliche christliche Antwort muss mit demselben Fundament beginnen: Es gibt nur einen Gott.

Das erste Gebot in 2. Mose 20,3 verbietet andere Götter neben dem Herrn. Das große Bekenntnis Israels in 5. Mose 6,4 bekräftigt, dass der Herr einer ist. Und Jesaja 45,5 sagt unmissverständlich, dass es außer dem Herrn keinen Gott gibt.

Darum darf jede christliche Rede über Vater, Sohn und Heiligen Geist niemals in drei Götter auseinanderfallen. Wenn Christen so sprechen, als gäbe es drei voneinander unabhängige göttliche Wesen, dann widerspricht das dem biblischen Monotheismus.

Aber genau hier liegt auch die entscheidende Weichenstellung: Das erste Gebot verbietet falsche Götter. Es verbietet nicht jede differenzierte Rede über Gottes eigenes Wesen oder seine Selbstoffenbarung. Die Frage lautet also nicht einfach: „Darf man mehr als nur den Vater nennen?“ Die Frage lautet: Wie bezeugt die Schrift den einen Gott?

Wenn die Schrift selbst den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist mit göttlichen Attributen belegt, dann wird die Ignoranz dessen dem ersten Gebot nicht gerecht. Genauso dürfen aus ihnen nicht drei Götter gemacht werden. Die Aufgabe ist also doppelt: den einen Gott festhalten und zugleich alles ernst nehmen, was die Schrift über Vater, Sohn und Geist sagt.

Die starken Vater-Texte müssen ernst genommen werden

Wer die klassische Trinitätslehre kritisch hinterfragt, beruft sich oft auf diese Verse, die ganz klar so geschrieben stehen und wichtig in der Betrachtung sind.

In Johannes 17,3 nennt Jesus den Vater den „allein wahren Gott“. In 1. Korinther 8,6 spricht Paulus von „einem Gott, dem Vater“, von dem alle Dinge sind, und von „einem Herrn, Jesus Christus“, durch den alle Dinge sind. In 1. Timotheus 2,5 unterscheidet Paulus zwischen dem einen Gott und dem einen Mittler, dem Menschen Jesus Christus. In Johannes 14,28 sagt Jesus: „Der Vater ist größer als ich.“ In Markus 13,32 spricht Jesus in Bezug auf den Tag und die Stunde von einer Ordnung, in der der Vater über dem Sohn steht.

Diese Texte sind nicht nebensächlich. Sie zeigen, dass die Bibel den Vater vielfach als Ursprung, Quelle und höchsten Bezugspunkt nennt. Sie zeigen auch, dass der Sohn nicht einfach mit dem Vater identisch ist. Wer das ernst nimmt, handelt nicht unbiblisch, sondern aufmerksam.

Ja, diese Texte sind stark. Ja, sie zeigen Unterscheidung. Ja, sie zeigen in bestimmten Zusammenhängen auch Unterordnung.

Aber die Frage ist: Ist das schon das ganze Bild? Genau hier beginnt unser weiteres Forschen.

Die Schrift spricht über Jesus höher, als viele zugeben wollen

Wenn man nur die Unterordnungsstellen über Jesus sammelt, bekommt man ein zu schmales Bild. Denn dieselbe Schrift redet an vielen Schlüsselstellen sehr hoch vom Sohn.

In Johannes 20,28 nennt Thomas den auferstandenen Jesus „mein Herr und mein Gott“. In Hebräer 1 wird der Sohn als Abglanz der Herrlichkeit Gottes und Abdruck seines Wesens beschrieben; zudem wird in Hebräer 1,8 eine alttestamentliche Aussage über Gott auf den Sohn bezogen: aber von dem Sohn: „Dein Thron, o Gott, währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ In Hebräer 1,6 steht, dass alle Engel Gottes ihn, den Sohn, anbeten sollen. In Kolosser 1,15–17 wird gesagt, dass in Christus alles erschaffen wurde, dass alles durch ihn und für ihn geschaffen wurde, dass er vor allem ist und alles in ihm besteht. In Kolosser 2,9 heißt es, dass in ihm die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt.

Auch Römer 9,5 gehört in diesen Zusammenhang. Dort spricht Paulus von Christus als dem, „der über allem ist, hochgelobter Gott in Ewigkeit“. Auch diese Stelle lässt sich nicht leichtfertig kleinreden.

Und dann ist da Johannes 10,30:

„Ich und der Vater sind eins.“

Dieser Vers ist für die ganze Diskussion von großer Bedeutung. Er vermeidet zwei Irrtümer zugleich. Jesus sagt nicht: „Ich bin der Vater.“ Also hebt er die Unterscheidung nicht auf. Aber er sagt auch nicht bloß, dass er und der Vater ein gemeinsames Ziel hätten. Der Zusammenhang zeigt, dass seine Hörer in dieser Aussage einen sehr hohen Anspruch sahen; in Johannes 10,33 reagieren sie empört und werfen Jesus vor, er mache sich selbst zu Gott.

Man muss nicht behaupten, dass Jesu Gegner seine Worte vollkommen verstanden haben. Aber man darf auch nicht behaupten, Jesus habe nur eine harmlose Einigkeit im Dienst gemeint. Johannes 10,30 und Johannes 12,45 sprechen stark für die tiefe Einheit von Vater und Sohn, ohne ihre Unterscheidung aufzuheben.

Dazu kommt 1. Johannes 5,20, eine Stelle, die in dieser Diskussion oft wenig Beachtung findet, doch ist es der Schlüssel. Johannes formuliert dort Johannes 17,3 um und sagt, der Sohn Gottes sei gekommen und habe uns Verständnis gegeben, damit wir den Wahrhaftigen erkennen. Dann folgt die Aussage über Jesus Christus: „Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben.“ Gerade im Zusammenhang mit Johannes 17,3 ist das bedeutsam. Dort wird der Vater „der allein wahre Gott“ genannt; hier wird Jesus Christus „der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ genannt. Diese beiden Aussagen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern müssen gemeinsam gehört werden. Johannes 17,3 sagt nicht, dass Jesus kein Gott ist. Jesus betet hier zu seinem Vater und grenzt ab gegen alle, die den Anspruch erheben, Herr und Gott zu sein, also gegen Götzen. Jesus ist also ein Gott, der wahrhaftig ist und kein unwahrer, geringerer Gott oder gar ein Untergott.

In Jesaja 9,5 heißt es über Christus: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst.“

All diese Texte zusammen zeigen: Die Bibel lässt nicht zu, dass Jesus bloß als ein besonders geehrtes Geschöpf oder als ein niedrigeres Zwischenwesen beschrieben wird. Sie spricht über ihn in einer Weise, die göttliche Würde, schöpferische Wirksamkeit und tiefste Einheit mit dem Vater umfasst.

Ist Jesus ein geschaffenes Wesen mit Anfang?

Eine Frage, die oft gestellt wird ist, ob Jesus ein geschaffenes Wesen ist. Das sagt sogar die katholische Kirche in ihrem Glaubensbekenntnis:

„Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen … Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn … Aus dem Vater geboren vor aller Zeit. Gott von Gott. Licht vom Licht. Wahren Gott vom wahren Gott. Gezeugt und nicht geschaffen.“ (Katechismus der Katholischen Kirche beim Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel)

Aber hat Jesus wirklich hat einen Anfang? Wurde er gezeugt? Ist er Gott von Gott – aber nicht der allein wahre Gott? Diesen Fragen werden wir in diesem und in den nächsten Abschnitten genauer untersuchen:

Johannes 1,1–3 unterscheidet im Griechischen bewusst zwischen „sein“ und „werden“:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist.

Vom Wort heißt es: „Im Anfang war das Wort“. Das griechische Verb ἦν ist Imperfekt von εἰμί („sein“) und beschreibt hier kein Entstehen, sondern ein bereits bestehendes Sein in der Vergangenheit. Anders gesagt: Als der Anfang da war, war der Logos (das Wort) schon da. Johannes sagt also gerade nicht, dass das Wort im Anfang wurde.

Anders spricht der Text von der Schöpfung. In Johannes 1,3 steht ἐγένετο von γίνομαι („werden“, „entstehen“, „ins Dasein kommen“): „Alles wurde durch dasselbe.“ Dieses Verb bezeichnet das Werden oder Entstehen. Dadurch entsteht ein klarer Gegensatz: Der Logos war, alles Geschaffene wurde. Darum gehört das Wort nicht zu den Dingen, die ins Dasein kamen, sondern ist der, durch den alles ins Dasein kam.

Erst später, in Johannes 1,14, verwendet Johannes wieder ἐγένετο: „Das Wort wurde Fleisch.“ Dort geht es also tatsächlich um ein Werden — nicht um den Anfang des Logos, sondern um seine Menschwerdung.

Damit macht Johannes dreierlei deutlich:
Das Wort war schon da, als der Anfang in den Blick rückte.
Das Wort ist von Gott unterschieden, denn es war bei Gott.
Und das Wort steht nicht auf der Seite des Geschaffenen, denn alles Geschaffene ist durch ihn geworden.

Was bei Betrachtung der Frage, ob Jesus ein geschaffenes Wesen ist, oft aus Johannes 3,16 herausgelesen wird:

„Denn so [sehr] hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat.“

Jedoch: „eingeborener Sohn“ (μονογενὴς / monogenes) ist missverständlich. Gemeint ist eher „einzigartig / der einzige seiner Art“, und daraus darf man keinen Anfang Jesu ableiten. Warum? Im griechischen NT gibt es neun Vorkommen von μονογενὴς:

1) Lukas 7,12

Griechisch: μονογενὴς υἱός

Wörtlich: „einziger Sohn“

Aussage für die These: Hier bedeutet das Wort klar „einziger Sohn“, nicht „gezeugt“ als eigener Schwerpunkt und erst recht nicht „geschaffen“. Es markiert Einzigkeit innerhalb einer Familienbeziehung.

2) Lukas 8,42

Griechisch: θυγάτηρ μονογενὴς

Wörtlich: „einzige Tochter“

Auch hier ist die Bedeutung eindeutig relational und exklusiv: die einzige Tochter. Das spricht dafür, dass μονογενής im NT primär Einzigkeit / Einmaligkeit innerhalb einer Beziehung ausdrückt.

3) Lukas 9,38

Griechisch: μονογενής μοί ἐστιν

Wörtlich: „er ist mir das einzige Kind“ bzw. „mein einziges Kind“

Wieder dieselbe Grundbedeutung: einziges Kind. Auch diese Stelle spricht gegen die Vorstellung, das Wort trage von sich aus die Idee „hervorgebracht“ oder „geschaffen“.

4) Johannes 1,14

Griechisch: δόξαν ὡς μονογενοῦς παρὰ πατρός

Wörtlich: „Herrlichkeit wie eines μοναγενής vom Vater“

Sinnnah: „Herrlichkeit wie des einzigartigen / einzigen Sohnes vom Vater“

Hier wird das Wort christologisch vertieft. Es meint nicht bloß „besonders“, sondern die einzigartige Sohn-Herrlichkeit Jesu beim Vater. Das passt gut zu „einzigartiger Sohn“, weniger gut zu einer bloß biologischen Lesart von „eingeboren“. Zugleich bleibt der Sohn-Bezug erhalten; nur „einzigartig“ ohne „Sohn“-Nuance wäre zu schwach.

5) Johannes 1,18

Griechisch: μονογενὴς θεός

Wörtlich: „der einzigartige/einzige Gott“

Diese Stelle ist besonders stark. Wenn Johannes hier tatsächlich μονογενὴς θεός schreibt, dann trägt das Wort gerade keine geschöpfliche Idee, sondern steht im Kontext von Jesu einzigartiger Gottesoffenbarung und Gottesnähe. Das ist eher ein Argument gegen jede Lesart, die in μονογενής einen Anfang Jesu hineinliest.

6) Johannes 3,16

Griechisch: τὸν υἱὸν τὸν μονογενῆ

Wörtlich: „den Sohn, den μοναγενής“

Sinnnah: „den einzigartigen / einzigen Sohn“

Vom Urtext her trägt diese Stelle sehr gut „der einzigartige / einzige Sohn“. Aus dem Wort selbst folgt nicht, dass Jesus geschaffen wäre, und auch nicht zwingend eine zeitliche Zeugung. Die Stelle sagt vor allem: Gottes Liebe zeigt sich darin, dass er seinen einzigartigen Sohn gibt.

7) Johannes 3,18

Griechisch: τοῦ μονογενοῦς υἱοῦ τοῦ θεοῦ

Wörtlich: „des μοναγενής Sohnes Gottes“

Sinnnah: „des einzigartigen / einzigen Sohnes Gottes“

Diese Stelle bestätigt Johannes 3,16 praktisch noch einmal. Auch hier liegt das Gewicht auf der einzigartigen Sohnschaft Jesu.

8) Hebräer 11,17

Griechisch: τὸν μονογενῆ

Wörtlich: „den μοναγενής“

Sinnnah im Kontext: „den einzigartigen / einzigen [Sohn der Verheißung]“

Das ist der entscheidende Kontrolltext. Abraham hatte nicht nur einen Sohn; trotzdem heißt Isaak hier μονογενής. Darum kann das Wort im NT nicht schlicht „einzig gezeugt“ oder „einzig geboren“ bedeuten. Es meint hier erkennbar den einzigartigen, herausgehobenen Sohn der Verheißung.

9) 1. Johannes 4,9

Griechisch: τὸν υἱὸν αὐτοῦ τὸν μονογενῆ

Wörtlich: „seinen Sohn, den μοναγενής“

Sinnnah: „seinen einzigartigen / einzigen Sohn“

Diese Stelle steht parallel zu Johannes 3,16. Auch hier steht nicht die Frage eines Anfangs im Vordergrund, sondern die einzigartige Sohnschaft Jesu und die Sendung des Sohnes in die Welt.

μονογενής bedeutet im NT am natürlichsten „einzig“, „einziger“, „einzigartig“, „one and only“ — also Einzigkeit innerhalb einer Beziehung oder Einzigartigkeit innerhalb einer Art/Klasse. Keine der neun Stellen verlangt die Bedeutung „geschaffen“. Bei Johannes ist Jesus also vielmehr „der einzigartige Sohn“ als „der eingeborene Sohn“ gemeint.

In Offenbarung 1,4 und 1,7-8 werden sowohl Vater als auch Sohn betitelt mit „der da ist und der da war und der da kommt“. In Vers 8 und 11 wird Jesus als das Alpha und das Omega bezeichnet (der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets). Es steht, er sei der erste und der letzte, der Anfang und das Ende. Auch wird Jesus hier als „der Allmächtige“ bezeichnet. Wenn dieselben Ewigkeits- und Gottestitel auf Vater und Sohn angewandt werden, dann spricht das klar gegen die Vorstellung, Jesus sei ein geschaffenes Wesen.

Und wie wir bereits in Jesaja 9,5 über Christus gelesen haben: „… ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben…“. Wir unterscheiden: In seiner Menschwerdung ist er als Kind geboren, aber als Sohn ist er uns gegeben. Das ist für uns kein Widerspruch.

Christus als Schöpfer verändert die ganze Frage

Die Diskussion über Gottheit und Trinität wird oft abstrakt geführt. Aber die Bibel zieht sie in den Bereich der Anbetung hinein.

Diese drei Imperative für die ganze Welt sind nicht zufällig. Sie stehen mitten in der Endzeitverkündigung:

  • Fürchtet Gott.
  • Gebt ihm die Ehre.
  • Betet den Schöpfer an.

Nun ist die entscheidende Frage: Wer ist dieser Schöpfer?

Offenbarung 4,11 hebt hervor, dass alles durch den Willen Gottes ins Dasein gekommen ist und stellt damit den Vater als Ursprung und letzten Grund der Schöpfung vor Augen. Wenn die Schrift zugleich bezeugt, dass alle Dinge durch den Sohn geschaffen wurden, so widerspricht dies nicht, sondern ergänzt dieses Zeugnis. Bildlich gesprochen ist der Vater der Architekt, der Sohn der Werkmeister der Schöpfung. Dazu passt auch Sprüche 8,30, wo die Weisheit als „Werkmeister“ bei Gott beschrieben wird; auch wenn dort nicht ausdrücklich Jesus genannt wird, hat die christliche Auslegung diese Stelle vielfach auf Christus bezogen.

Hier wird Kolosser 1,15–17 enorm wichtig. Dort wird Christus als der dargestellt, in dem, durch den und für den alles erschaffen wurde. Er ist vor allem, und alles besteht in ihm. Ebenso sagt Johannes 1,3, dass ohne das Wort nichts geworden ist, was geworden ist. Auch in Hebräer 1,2 sagt Paulus, dass durch den Sohn die Welten geschaffen wurden. Wenn das stimmt, dann ist Christus also nicht nur Erlöser, sondern auch Schöpfer und Erhalter.

Damit wird der Ruf der ersten Engelsbotschaft unmittelbar christozentrisch: Wenn die Welt aufgerufen wird, den Schöpfer anzubeten, und wenn das Neue Testament Christus als den bezeugt, durch den alles geschaffen wurde, dann ist die Anbetung Christi nicht ein Verstoß gegen das erste Gebot, sondern gehört in den Bereich der wahren Anbetung des einen Gottes.

Hier hilft auch Psalm 95,6: Wir sollen den Herrn anbeten, vor unserem Schöpfer niederfallen. Und Nehemia 9,6 betont, dass der Herr allein Himmel, Erde und Meer gemacht hat und dass das himmlische Heer ihn anbetet. Diese Stellen aus dem Alten Testament verbinden Anbetung direkt mit Schöpfermacht. Das Neue Testament verbindet dieselbe Schöpfermacht mit Christus. Damit wird die Frage sehr scharf: Wer Christus die Anbetung verweigern will, obwohl die Schrift ihn im Bereich der Schöpferwirklichkeit bezeugt, muss erklären, wie das mit der biblischen Anbetungslogik zusammengeht.

Der „Ich bin“ und der Befreier Israels

Eine weitere Linie vertieft die Sache noch mehr:

In 2. Mose 3,13–14 offenbart sich Gott am brennenden Dornbusch Mose als der „Ich bin“ und erklärt in Vers 17, er wolle Israel aus Ägypten herausführen. In 2. Mose 20,1 ist es derselbe Herr, der sagt, er habe Israel aus Ägypten herausgeführt und gibt dann die Zehn Gebote. Das ist keine Randnotiz. Der Geber des Gesetzes ist zugleich der Befreier seines Volkes.

Nun tritt Jesus in Johannes 8,58 mit einer erschütternden Aussage auf: „Ehe Abraham war, bin ich.“ Die Reaktion seiner Hörer zeigt, dass sie die Schärfe der Aussage verstehen. Sie greifen nach Steinen. Warum? Weil Jesus nicht bloß behauptet, älter als Abraham zu sein. Er greift die „Ich bin“-Aussage auf eine Weise auf, die göttliche Autorität beansprucht.

Verbunden mit Johannes 1,1–3.14 ergibt sich eine machtvolle heilsgeschichtliche Linie:

  • Der Schöpfer ist der, durch den alles geworden ist.
  • Der „Ich bin“ ist der Gott der Offenbarung und Befreiung.
  • Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.

Dann wird Christus nicht nur als späterer Erlöser sichtbar, sondern als der eine Herr, der

  • schöpft,
  • sich offenbart,
  • sein Volk befreit,
  • und schließlich in die Welt kommt.

Das verändert die Tonlage der ganzen Debatte. Es geht nicht mehr nur um abstrakte Kategorien. Es geht um die Größe Christi selbst.

Kyrios = Theos: Gott und Herr sind austauschbar

Das NT bietet viele Stellen, in denen „Herr“ und „Gott“ für denselben göttlichen Referenten stehen. Noch stärker: Das NT nimmt mehrfach AT-Kyrios/JHWH-Texte und wendet sie auf Jesus an. Nicht jeder NT-Gebrauch von Kyrios ist automatisch identisch mit Theos; der Kontext entscheidet. Für die Gottheit Christi sind aber die folgenden Texte sehr stark:

Direkte NT-Stellen, in denen „Herr“ und „Gott“ für denselben Referenten zusammenstehen

Markus 12,29–30 ist der klassische Haupttext. Im Griechischen steht: κύριος ὁ θεὸς ἡμῶν, κύριος εἷς ἐστιν“ und direkt danach „ἀγαπήσεις κύριον τὸν θεόν σου“. Deutsche Übersetzungen geben das entsprechend wieder: „Der Herr, unser Gott, ist der Herr allein / einer“ und „du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben“. Hier sind Kyrios und Theos klar keine zwei Wesen, sondern zwei Bezeichnungen derselben Person.

Dasselbe Muster finden wir in den Versuchungstexten: Matthäus 4,7; 4,10 und Lukas 4,8. Dort steht im Griechischen jeweils „Κύριον τὸν Θεόν σου“ bzw. „οὐκ ἐκπειράσεις Κύριον τὸν Θεόν σου“. Auch die deutschen Übersetzungen geben das mit „den Herrn, deinen Gott“ wieder. Das ist eine direkte sprachliche Verbindung: Herr = Gott für denselben Adressaten der Anbetung, des Dienstes und der Ehrfurcht.

Dasselbe gilt für Matthäus 22,37 und Lukas 10,27. Griechisch: „Ἀγαπήσεις Κύριον τὸν Θεόν σου“ (du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben). Auch hier ist „Herr“ kein zweiter neben „Gott“, sondern der Gottesname/Titel der einen göttlichen Person, die mit ganzer Hingabe geliebt werden soll.

Apostelgeschichte 17,24 ist ebenfalls wichtig. Paulus sagt nicht nur „Gott“, sondern: „ὁ θεὸς … οὗτος οὐρανοῦ καὶ γῆς κύριος ὑπάρχων“ (Gott … dieser ist Herr des Himmels und der Erde) – also: der Gott, der alles geschaffen hat, ist Herr des Himmels und der Erde. Hier werden Theos und Kyrios demselben Schöpfer direkt zugesprochen.

In der Offenbarung erscheint wiederholt die Titelformel „κύριος ὁ θεός“ (Herr Gott), z. B. in Offb 1,8 und 4,8. Schon diese feste Formel zeigt, dass „Herr“ und „Gott“ im NT ohne Mühe zusammen als göttliche Titel derselben Person verwendet werden.

Die stärkeren christologischen Stellen: AT-„Kyrios/JHWH“-Texte werden im NT auf Jesus bezogen

Hier liegt der eigentliche Sprengstoff.

Matthäus 3,3; Markus 1,3; Lukas 3,4; Johannes 1,23 zitieren Jesaja 40,3 (LXX): „Bereitet den Weg des Herrn“. Im griechischen Jesaja steht: „Ἑτοιμάσατε τὴν ὁδὸν Κυρίου … τοῦ θεοῦ ἡμῶν“ (bereitet den Weg des Herrn … unseres Gottes). Im NT ist dieser „Kyrios“, dessen Weg Johannes bereitet, Jesus. Das heißt: Der Kyrios aus Jes 40,3, den Jesaja zugleich mit „unser Gott“ verbindet, erscheint im NT in der Person Jesu. Das ist deutlich.

Lukas 1,16–17 verstärkt genau das. Johannes wird viele Israeliten zurückführen zu „Κύριον τὸν Θεὸν αὐτῶν“ (den Herrn, ihren Gott) und er wird „ἐνώπιον αὐτοῦ“ (vor ihm / vor seinem Angesicht) hergehen, um dem kommenden Herrn ein Volk zu bereiten. Im Erzählzusammenhang des Lukas geht Johannes aber vor Jesus her. Das ist keine rein lexikalische, sondern eine narrative Gleichsetzung: der kommende Herr, ja der Herr-Gott seines Volkes, wird in Jesu Kommen konkret.

Johannes 12,37–41 ist ebenfalls sehr stark. Johannes sagt von Jesaja: „εἶδεν τὴν δόξαν αὐτοῦ“ – Jesaja sah seine Herrlichkeit und redete von ihm. Der Kontext in Johannes bezieht dieses „ihm“ auf Jesus. Damit verbindet Johannes Jesu Herrlichkeit mit der Herrlichkeitsvision Jesajas.

Apostelgeschichte 2,21 und vor allem Römer 10,9–13 gehören zu den klarsten Belegen überhaupt. In Apg 2,21 steht der Joel-Satz: „jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“. In Römer 10 kombiniert Paulus dann: „Jesus ist Herr“ mit dem Joel-Zitat „πᾶς … ἐπικαλέσηται τὸ ὄνομα κυρίου σωθήσεται“ (denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden). Dazwischen sagt er: „derselbe Herr ist Herr über alle“. Der natürliche Fluss des Abschnitts macht deutlich: Der Kyrios, dessen Name angerufen wird, ist hier Jesus. Das ist mehr als nur „Herr = Gott“ allgemein; es ist die Übertragung eines göttlichen Kyrios-Heilstextes auf Jesus.

Philipper 2,10–11 greift das Jesaja-Motiv auf: Jede Zunge soll bekennen, dass „Κύριος Ἰησοῦς Χριστός“ (Jesus Christus ist Herr) ist. Das Echo zu Jesaja 45,23 ist offensichtlich: Dort beugt sich vor JHWH jedes Knie. Paulus setzt Jesus in genau dieses göttliche Bekenntnis hinein. Also nicht bloß: Jesus hat einen Ehrentitel, sondern: Der universale Kyrios-Anspruch Gottes wird auf Jesus bezogen.

Hebräer 1,8–10 ist besonders stark, weil hier beides im selben Zusammenhang vorkommt. In V. 8 wird der Sohn mit „ὁ θεός“ angeredet: „Dein Thron, o Gott“. In V. 10 folgt: „σὺ … κύριε“ – „du, Herr“. Der Hebräerbrief verwendet also in unmittelbarer Folge Theos und Kyrios für den Sohn. Dazu kommt, dass V. 10 auf Ps 102 zurückgreift, wo der Schöpfer-Herr angeredet wird. Wenn du einen Text suchst, in dem Gott und Herr im direkten Umfeld beide auf den Sohn fallen, ist Hebr 1 kaum zu überbieten.

Ergänzende Stellen, die das Bild abrunden

Titus 2,13 ist ergänzend wichtig, auch wenn dort nicht das Wort Kyrios steht. Im Griechischen heißt es: „τοῦ μεγάλου Θεοῦ καὶ σωτῆρος ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ“ (unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus). In normalen deutschen Übersetzungen klingt das als Bezug auf Jesus Christus: „unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus“. Das zeigt: Derselbe Jesus, der ständig Kyrios heißt, kann auch Theos genannt werden.

1. Korinther 1,2 ist ein etwas indirekter, aber traditionsgeschichtlich starker Hinweis. Paulus beschreibt Christen als solche, die „den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen“. Das Motiv des „Anrufens des Namens“ ist im biblischen Sprachgebrauch tief mit Gottesverehrung verbunden. Für sich allein beweist das noch nicht alles, aber im Zusammenspiel mit Römer 10 ist es sehr aussagekräftig.

Der Heilige Geist ist biblisch mehr als eine unpersönliche Kraft

Auch beim Heiligen Geist nehmen wir das gesamte biblische Zeugnis ernst. Er scheint gleich zu Beginn im ersten Buch der Bibel in Kapitel 1 bei Erschaffung der Welt, wo der Geist Gottes über den Wasser schwebt.

Es stimmt, dass die Bibel vom Geist Gottes, vom Geist Christi, von Ausgießung, Salbung und Kraftwirkung spricht. Das zeigt, wie eng der Geist mit Gottes eigenem Wirken verbunden ist. Weiterhin lesen wir dies:

In Johannes 14,16–17 erbittet Jesus vom Vater einen „anderen Beistand“ (Tröster/ Fürsprecher) und betitelt ihn als „Geist der Wahrheit“. Auch in Johannes 15,26 unterscheidet Jesus zwischen sich selbst, dem Vater und dem Geist:

„Wenn aber der Beistand kommen wird, den ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird der von mir Zeugnis geben…“

In Johannes 13,20 beschreibt Jesus die Einigkeit zwischen Vater, Sohn und Geist:

Wer den aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.

In Johannes 16,13–14 wird der Geist der Wahrheit als der beschrieben, der führt, hört, redet, verkündigt und Christus verherrlicht. Das sind personale Charaktereigenschaften.

Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen.

Wenn der Heilige Geist gar nicht aus sich selbst reden könnte, wäre diese Erwähnung sinnlos. Er kann es, aber er tut es nicht. Er ordnet sich unter.

Dazu kommen weitere gewichtige Stellen.

1. Korinther 3,16–17 und 1. Korinther 6,19

In 1. Korinther 3,16–17 sagt Paulus, dass die Gemeinde Gottes Tempel ist und dass der Geist Gottes in ihr wohnt. In 1. Korinther 6,19 nennt er den Leib des Gläubigen einen Tempel des Heiligen Geistes. Diese Parallelität ist gewichtig. Tempel ist in der Schrift Gottes Bereich. Wenn die Gemeinde Gottes Tempel ist und zugleich Tempel des Heiligen Geistes, dann wird der Heilige Geist eindeutig auf Gottes Seite gestellt.

Jesaja 6,8–10 und Apostelgeschichte 28,25–27

In Jesaja 6 spricht der Herr selbst und sendet den Propheten mit den harten Worten an das Volk. In Apostelgeschichte 28,25–27 greift Paulus diese Stelle auf und sagt ausdrücklich, dass der Heilige Geist diese Worte durch Jesaja gesprochen hat. Was in Jesaja als Rede des Herrn erscheint, wird in der Apostelgeschichte dem Heiligen Geist zugeschrieben. Auch das ist ein starkes Zeugnis dafür, dass der Geist im Bereich der göttlichen Rede steht.

Hebräer 9,14

Dort ist vom ewigen Geist die Rede. Ewigkeit ist ein relevantes Merkmal. Sie gehört in die Sphäre des Göttlichen. Wenn der Geist als ewig beschrieben wird, kann man ihn nicht auf das Niveau bloßer geschöpflicher Kraft reduzieren.

Apostelgeschichte 5,3–4

Petrus sagt Ananias, dass er den Heiligen Geist belogen habe, und fügt hinzu: Du hast nicht Menschen, sondern Gott belogen. Diese Gleichsetzung können wir nicht leichtfertig behandeln, denn dafür ist sie zu stark.

1. Korinther 12,11

Der Geist teilt die Gaben „wie er will“ aus. Auch hier begegnet uns Wille, nicht nur Kraft.

Epheser 4,30

Der Geist kann betrübt werden. Auch das ist ein personales Attribut.

Wenn man all diese Stellen zusammen nimmt, ergibt sich für uns folgende Zusammenfassung:
Der Heilige Geist ist Gottes und Christi wirksame Gegenwart unter den Gläubigen, aber die Bibel beschreibt ihn in einer Weise, die über bloße Unpersönlichkeit hinausgeht und ihn klar in den Bereich der göttlichen Wirklichkeit rückt.

Texte, in denen Vater, Sohn und Heiliger Geist gemeinsam genannt werden

Die Schrift gibt keine spätere dogmatische Kurzformel, aber sie nennt Vater, Sohn und Heiligen Geist nicht nur mit Umschreibungen zusammen in einem Vers, sondern auch mehrfach gemeinsam in zentralen Zusammenhängen. Johannes 15,26 hatten wir ja diesbezüglich bereits betrachtet.

Der Heilige Geist war während der Taufe Jesu anwesend. Als der Vater aus dem Himmel spricht und seinen Sohn bezeugt, kam der Geist in Form einer Taube auf Jesus.

Offenbarung 1, 4-5 zeigt, dass Gnade und Friede sowohl vom Vater als auch vom Geist und von Jesus ausgehen.

In Offenbarung 3,18 heißt es im Schreiben an die letzte Gemeinde Laodizea: „Ich rate dir, von mir Gold zu kaufen, das im Feuer geläutert ist, damit du reich wirst, und weiße Kleider, damit du dich bekleidest und die Schande deiner Blöße nicht offenbar wird; und salbe deine Augen mit Augensalbe, damit du sehen kannst!“ Gold repräsentiert den Charakter der Gottheit, der den Vater repräsentiert. Die weiße Kleidung verkörpert Christi Gerechtigkeit. Und woher bekommen wir die Augensalbe? Was öffnet unseren Geist und lässt uns verstehen? Das ist der Heilige Geist.

In Matthäus 28,19 spricht Jesus vom Taufen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. In 2. Korinther 13,14 nennt Paulus die Gnade des Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. In Epheser 4,4–6 stehen ein Geist, ein Herr und ein Gott und Vater in Union nebeneinander.

Diese Stellen sind wichtig, weil sie zeigen: Die Dreiheit von Vater, Sohn und Geist ist keine spätere Hinzufügung, sondern steht schon im neutestamentlichen Zeugnis selbst. Das bedeutet noch nicht, dass jede spätere theologische Formel automatisch richtig wäre. Aber es bedeutet wohl, dass die Frage von der Schrift selbst gestellt wird.

Geist und Person – kein Entweder-oder

Oft stellen wir die falsche Frage:
Ist Gott Geist oder Person? Ist Christus Person oder Geist? Ist der Heilige Geist Kraft oder Person?

Die Bibel zwingt uns nicht zu diesem Entweder-oder. Sie spricht tiefer.

Der Vater

Gott ist nicht ein körperliches Wesen wie der Mensch. Jesus sagt:
Gott ist Geist“ (Johannes 4,24).

Damit ist nicht gemeint, dass Gott unpersönlich wäre. Im Gegenteil: Der Vater redet, will, liebt, sendet, richtet und erbarmt sich. Er ist Geist und zugleich persönlich.

Der Sohn

Auch beim Sohn dürfen wir nicht menschlich verkürzen. Der ewige Sohn Gottes ist Person. In der Menschwerdung nahm er wahre Menschheit an. Zugleich sagt die Schrift:
Der Herr ist der Geist“ (2. Korinther 3,17).

Dieser Satz darf nicht abgeschwächt werden. Er zeigt, dass der auferstandene Christus seiner Gemeinde jetzt nicht mehr nur äußerlich gegenübersteht, sondern ihr im Geist gegenwärtig ist. Darum kann Jesus sagen:
„Ich lasse euch nicht als Waisen zurück; ich komme zu euch“ (Johannes 14,18),
und ebenso:
„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit“ (Matthäus 28,20).

Christus ist also nicht auf seine sichtbare, irdische Gegenwart beschränkt. Der verherrlichte Herr ist seiner Gemeinde im Geist wirklich nahe, wirksam und gegenwärtig.

Der Heilige Geist

Auch der Heilige Geist darf nicht auf eine unpersönliche Kraft reduziert werden. Die Schrift spricht von ihm so, dass er lehrt, erinnert, bezeugt, führt, redet und betrübt werden kann. Er handelt also persönlich. Jemand der Christus bezeugt wird nicht automatisch zu Christus. Die Person ist lediglich sein Repräsentant.

Zugleich ist der Heilige Geist Gottes wirkliche Gegenwart und wirksame Kraft in seinem Volk. Darum müssen wir ihn nicht gegen Persönlichkeit oder Geistsein ausspielen. Der Heilige Geist ist nicht entweder Macht oder Person. Er wirkt mächtig und handelt persönlich.

Wahre Anbetung – Johannes 4,24

Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
— Johannes 4,24

Wahre Anbetung richtet sich nicht auf menschliche Vorstellungen, sondern auf Gott, wie er sich selbst offenbart. Wer Gott anbetet, muss ihn so anbeten, wie er ist: geistlich, wahrhaftig und in Übereinstimmung mit seinem Wort. Es gibt nicht verschiedene göttliche Geister, sondern den einen Geist Gottes. Darum ist wahre Anbetung immer Anbetung im Geist und in der Wahrheit.

Wir halten deshalb fest:
Der Vater ist Geist und persönlich.
Der Sohn ist Geist und persönlich.
Der Heilige Geist ist Geist und handelt persönlich.

Eine biblische Zusammenfassung

Wir formulieren:

Es gibt nur einen Gott. Der Vater wird in der Schrift vielfach als Ursprung genannt. Der Sohn ist von Ewigkeit her beim Vater, von ihm unterschieden, von ihm gesandt und offenbart ihn sichtbar; zugleich bezeugt ihn die Schrift als Schöpfer, Erhalter, Befreier und Erlöser. Der Heilige Geist ist Gottes wirksame Gegenwart unter den Gläubigen und wird im Neuen Testament nicht als bloße Kraft, sondern mit göttlichen und personalen Zügen beschrieben. Darum redet die Bibel von Vater, Sohn und Heiligem Geist innerhalb des einen Gotteszeugnisses, ohne ihre biblische Unterscheidung aufzuheben.

Diese Formulierung vermeidet mehrere Stolperfallen zugleich:

  • Sie sagt nicht, dass es drei Götter gibt.
  • Sie macht Jesus nicht zu einem bloßen Geschöpf.
  • Sie degradiert den Heiligen Geist nicht zu bloßer Energie.
  • Sie behauptet auch nicht, dass jede spätere Dogmatik exakt so in der Bibel stünde.

Sie versucht einfach, das biblische Gesamtzeugnis ernst zu nehmen.

Wie steht diese Ausarbeitung zum ersten Gebot?

Das erste Gebot verbietet andere Götter neben dem Herrn. Es verbietet nicht jede differenzierte Rede über Gott selbst. Der entscheidende Punkt ist also: Stellen wir mehrere Götter auf, oder versuchen wir, den einen wahren Gott so zu bekennen, wie ihn die Schrift bezeugt?

Wenn jemand von drei getrennten Gottheiten spräche, wäre das unvereinbar mit dem ersten Gebot. Aber genau das ist hier nicht der Fall.

Hier hilft uns wieder Johannes 10,30:
„Ich und der Vater sind eins.“

Jesus erscheint eben nicht als fremder Nebengott neben dem Vater. Seine Einheit mit dem Vater spricht gerade gegen die Vorstellung zweier konkurrierender Gottheiten. Und wenn die Schrift Christus als Schöpfer und Erlöser bezeugt, dann ist seine Anbetung nicht Anbetung eines zweiten Gottes, sondern steht innerhalb des Bekenntnisses zum einen Gott.

Das erste Gebot schützt also nicht nur vor zu vielen Göttern, sondern auch davor, den wahren Gott zu eng zu definieren und damit sein eigenes Selbstzeugnis zu beschneiden.

Die Gefahr der Verengung

In vielen theologischen Auseinandersetzungen geschieht etwas, das fast gefährlicher ist als der ursprüngliche Irrtum: Menschen beginnen, nur noch die Verse zu sehen, die das eigene System stützen.

Dann läuft es oft so:

  • Die eigenen Belegtexte gelten als eindeutig.
  • Andere starke Texte werden umgedeutet.
  • Wenn das schwer wird, erklärt man sie für nebensächlich.
  • Oder man macht aus jeder Korrektur sofort einen Angriff auf die Wahrheit.

So entsteht kein offener Bibeldialog mehr, sondern ein geschlossenes System.

Gerade in der Frage nach Vater, Sohn und Heiligem Geist ist das mit äußerster Vorsicht zu betrachten. Sie zwingt uns, Spannungen auszuhalten:

  • der Vater als Ursprung,
  • der Sohn in göttlicher Höhe,
  • der Geist mit göttlichen und personalen Zügen,
  • und alles unter dem Bekenntnis des einen Gottes.

Wer nur Johannes 17,3 liest, sieht zu wenig.
Wer nur Johannes 1,1 liest, auch.
Wer nur 2. Korinther 3,17 liest, ebenso.
Und wer nur Matthäus 28,19 zitiert, ohne die anderen Linien zu bedenken, ebenfalls.

Die Gefahr der Spaltung des Volkes Gottes

Hier berührt die Frage nicht nur die Lehre, sondern auch das Herz.

Denn selbst wenn man um Wahrheit ringt, kann man dabei in das Volk Gottes Spaltung hineintragen. Das Neue Testament ruft nicht nur zur Wahrheit, sondern auch zu Liebe, Geduld und Einheit auf.

In Johannes 17 betet Jesus um die Einheit der Seinen. In Epheser 4,1–6 ruft Paulus zur Demut, Sanftmut, Geduld und zum Bewahren der Einheit des Geistes im Band des Friedens auf. Dort nennt er einen Leib, einen Geist, einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe, einen Gott und Vater aller. In 2. Timotheus 2,24–25 soll der Knecht des Herrn nicht streitsüchtig, sondern milde, lehrfähig und geduldig zurechtweisend sein. Römer 14 erinnert daran, dass nicht jede Erkenntnisfrage sofort mit Verwerfung beantwortet werden darf.

Und hier ist Judas 20–25 ein sehr heilsamer Schlussakkord. Judas ruft die Gläubigen auf,

  • sich auf ihren allerheiligsten Glauben zu erbauen,
  • im Heiligen Geist zu beten,
  • sich in der Liebe Gottes zu bewahren,
  • auf die Barmherzigkeit Jesu Christi zum ewigen Leben zu warten,
  • mit den Irrenden unterschiedlich umzugehen, teils barmherzig, teils rettend, aber immer mit heiliger Wachsamkeit.

Und am Ende steht kein Triumph über Gegner, sondern Anbetung: Gott ist der, der ohne Straucheln zu bewahren und untadelig vor seine Herrlichkeit zu stellen vermag.

Das ist für diese ganze Debatte entscheidend. Wir reden über Gott nicht, um uns klüger zu fühlen. Wir reden darüber, um in der Wahrheit zu bleiben, ohne die Liebe zu verlieren. Wir reden darüber, um im Glauben erbaut zu werden, nicht um einander zu zerfleischen.

Die Gefahr der Spaltung ist real. Nicht jede theologische Differenz ist unwichtig. Aber nicht jede Differenz rechtfertigt sofort Trennung. Gerade wer um die Reinheit der Gotteslehre ringt, muss besonders darauf achten, nicht in Härte, Argwohn und dauernde Verdächtigung abzugleiten.

Woran erkennt man einen gesunden Umgang mit dieser Frage?

Ein gesunder Umgang mit diesem Thema zeigt sich an mehreren Merkmalen.

Erstens: Er nimmt alle großen Schriftlinien ernst.
Nicht nur die starken Vater-Texte. Nicht nur die hohen Christus-Texte. Nicht nur die Geist-Texte. Sondern das ganze Zeugnis.

Zweitens: Er vermeidet Übertreibungen.
Nicht jeder, der mit der klassischen Trinitätsformel ringt, ist schon ein Feind der Wahrheit. Und nicht jeder, der Vater, Sohn und Geist der einen Gottheit zuordnet, hat automatisch das erste Gebot verletzt.

Drittens: Er bleibt sprachlich vorsichtig.
Wo die Bibel keine technische Definition liefert, sollte der Christ ebenfalls nicht großspurig auftreten. Letztlich ist unser menschlicher Verstand ohnehin viel zu begrenzt als dass er Gott vollumfänglich erfassen könnte.

Viertens: Er lässt Korrektur zu.
Ein System, das jeden Gegenbeleg automatisch neutralisiert, wird geistlich eng.

Fünftens: Er verbindet Wahrheit und Einheit.
Nicht Frieden auf Kosten der Wahrheit. Aber auch nicht Wahrheitssuche in einem Ton, der den Leib Christi zerreißt.

Schluss

Viele Christen, die solche Fragen stellen, wollen Gott wirklich ehren. Sie wollen das erste Gebot halten. Sie wollen keine menschlichen Traditionen anbeten. Sie wollen Jesus nicht verkleinern und den Heiligen Geist nicht falsch beschreiben. Dafür sollten sie nicht zuerst misstrauisch beäugt, sondern ernst genommen werden.

Aber gerade deshalb muss man auch ehrlich sagen: Die Bibel ist in dieser Frage größer als ein einfaches Entweder-oder.

Sie zwingt uns,

  • an dem einen Gott festzuhalten,
  • den Vater hoch zu ehren,
  • den Sohn in seiner biblischen Höhe zu bekennen,
  • und den Heiligen Geist nicht zu verkennen.

Darum scheint uns die folgende Zusammenfassung bibeltreu:

Es gibt nur einen Gott. Der Vater wird in der Schrift vielfach als Ursprung genannt. Der Sohn ist von Ewigkeit her beim Vater, von ihm unterschieden, von ihm gesandt und offenbart ihn sichtbar; zugleich bezeugt ihn die Schrift als Schöpfer, Erhalter, Befreier und Erlöser. Der Heilige Geist ist Gottes wirksame Gegenwart unter den Gläubigen und wird im Neuen Testament nicht als bloße Kraft, sondern mit göttlichen und personalen Zügen beschrieben. Darum redet die Bibel von Vater, Sohn und Heiligem Geist innerhalb des einen Gotteszeugnisses, ohne ihre biblische Unterscheidung aufzuheben.

Wer das so sagt, stellt keine anderen Götter neben Gott.
Er versucht vielmehr, den einen Gott so ernst zu nehmen, wie die Schrift selbst ihn bezeugt.

Und genau das ist für uns kein Widerspruch zum ersten Gebot, sondern ein Dienst an ihm.

Wenn Dich diese Fragen weiter beschäftigen und Du sie nicht nur theoretisch, sondern auch gemeinsam mit anderen an der Bibel bewegen möchtest, dann laden wir Dich herzlich ein, persönlich bei unseren Bibelkreisen vor Ort dabei zu sein. Wir treffen uns jeden Sabbat von 16:00 bis 19:00 Uhr. Dort ist Raum für offene Fragen, gemeinsames Bibelstudium, ehrlichen Austausch und das gemeinsame Suchen nach dem, was Gottes Wort wirklich sagt.

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